©  ZEIT online  21.12.2006 - 19:22 Uhr

Dänen für den Weltfrieden

Mit einer versteckten Beleidigung brüskiert eine dänische Künstlergruppe den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad.

Wie man den Mächtigen eins auswischen kann, das demonstrierte am vergangenen Mittwoch die dänische Künstlergruppe „Surrend“. Zuvor hatte sie bereits Diktatoren wie Simbabwes Präsident Robert Mugabe oder den weißrussischen Staatschef Alexander Lukaschenko verspottet. Nun traf es den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad. In der englischsprachigen Zeitung Teheran Times erschien eine Anzeige mit dem Bild des Politikers, das mit einer beleidigenden, vor dem ersten Blick aber versteckten Botschaft versehen ist: Unter dem Bild stehen Propagandasprüche wie "Unterstützt seinen Kampf gegen Bush" oder "Iran hat das Recht, Atomenergie zu produzieren". Von oben nach unten gelesen ergeben die Anfangsbuchstaben der Sätze allerdings das Wort "Schwein". Offenbar war die versteckte Beleidigung der konservativen Zeitung entgangen.

Besonders dreist: Die Aktion wurde von den Dänen als Akt der Solidarität und Wiedergutmachung für die Mohammed-Karikaturen verkauft, die zu Beginn dieses Jahres erstaunliche Wirkungen gezeitigt hatten. Dänen für den Weltfrieden, so lautete die scheinheilige Botschaft der Künstlergruppe. Umso erstaunlicher, dass niemand in der iranischen Zeitung Verdacht schöpfte. Die Künstler hatten sich derselben Technik bedient, die man von Ahmadineschad kennt: wortreiche Appelle an das Gute und Humane, doch dahinter das brutale Ressentiment. Eine künstlerische Retourkutsche, wie sie auch die Aktionskünstler The Yes Men gelegentlich benutzen.

Einen Unterschied zu den Mohammed-Karikaturen gibt es immerhin. Diesmal sind keine religiösen Motive im Spiel. Beleidigt wurde ein Staatsmann, kein Heiliger und keine geistliche Autorität. Die Mohammed-Karikaturen hatten unter Muslimen in der ganzen Welt Aufruhr erzeugt, da viele Gläubige die Darstellung ihres Religionsstifters als Gotteslästerung empfinden. In den Ausschreitungen starben weltweit mehr als 50 Menschen. Die Abbildungen erschienen zuerst in der dänischen Zeitung Jyllands Posten. Und nun also der zweite Affront aus Dänemark. Wird der Vorfall erneut den Hass gegen die Nordeuropäer schüren? Bisher wurden keine Ausschreitungen gemeldet. Und die iranische Botschaft weiß angeblich von nichts.

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Die Künstlergruppe "Surrend" erklärt, sie habe mit ihrer Darstellung die junge Generation in der Islamischen Republik erreichen wollen. Die Anzeige richte sich nicht gegen das Volk, sondern gegen Ahmadineschad, der eine extreme Ideologie vertrete, sagte Jan Egesborg, ein Mitbegründer der Gruppe. Freilich - "Schwein“ ist keine sonderlich originelle Beschimpfung. Die dahinter stehende Kritik dürfte aber auch im Iran Befürworter finden. Dem Präsidenten wird von einigen Konservativen vorgeworfen, seine Konzentration zu stark auf die Konfrontation mit dem Westen und zu wenig auf die Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Iran gerichtet zu haben. Das scheinen auch die Wähler so zu sehen. In den Wahlen am vergangenen Freitag musste das radikale Lager Ahmadineschads eine Niederlage einstecken.

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